GEISTLICHER CHOR

Impuls aus Evensong (21) zum Fest Darstellung des Herrn | Mariä Lichtmess


Christiane Müller  8. Februar 2026                           


Das Fest  sogar ein Hochfest, das wir in dieser Woche gefeiert haben, mag für einige einen eher sperrigen Zugang haben. Was war das eigentlich? Das fängt schon an mit der Verwirrung um den Namen, denn dieses Fest ist unter mindestens vier verschiedenen Namen bekannt:

 

1. Mariä Lichtmess


Das ist der bekannteste und wohl auch mystischste Name. Aber auch etwas schwammig - was soll man sich darunter vorstellen? Irgendwas mit viel Licht halt. Lebendig sind die Bilder, die wir dazu im Kopf haben: Kerzenweihe, Kerzenprozession, manche denken vielleicht auch an den Blasiussegen mit den gekreuzten Kerzen, obwohl der streng genommen mit Lichtmess überhaupt nichts zu tun hat, aber eben zeitlich so nahe liegt, dass die beiden meistens miteinander verknüpft werden.

 

In der zweiten Lesung konnten wir uns völlig in eine solche Szenerie hineinbegeben - wer wäre nach dieser begeisterten Schilderung nicht gerne bei einer solchen Lichterprozession dabei gewesen? Hier leuchtet das Weihnachtsfest ein letztes Mal nach: Das Licht, das alles Dunkle besiegt, ist in die Welt gekommen und wird nun für alle sichtbar - gehen wir ihm entgegen! Hier ist es, das von Simeon gepriesene  “Licht, das die Heiden erleuchtet” - die Heiden, das sind übrigens wir, die Völker, also die gesamte nichtjüdische Welt. Auch und gerade dort soll Gottes Licht strahlen, wo es vorher eben noch nicht war. Werden wir also ein Teil davon, werden wir selbst zum “Licht der Welt”, wie Jesus es uns im heutigen Sonntagsevangelium zuspricht!

 

Wunderschön soweit, aber was hat das jetzt konkret mit Maria zu tun? Hier kommen wir zum zweiten Namen, einem etwas älteren, nämlich

 

2. Mariä Reinigung


Nach den jüdischen Gesetzen galt eine Mutter nach der Geburt ihres Kindes für eine festgesetzte Zeit als unrein (40 Tage für einen Jungen, 80 Tage für ein Mädchen); sie durfte den Tempel nicht betreten, überhaupt  nichts Heiliges berühren und musste nach dieser Zeit ein Reinigungsopfer darbringen. Weil sie Leben weitergegeben hat. Maria bildet da keine Ausnahme, egal wie heilig oder von Gott beauftragt sie auch sein mag.

Aber auch in unserer heutigen modernen und aufgeklärten Zeit gilt eine Geburt für viele noch als etwas Ekliges, “Unreines”, über das man lieber nicht allzu viel nachdenkt. Auch wir sehen uns das Kind lieber hinterher an, wenn es frisch gebadet ist und angenehm duftet.

Und einige erinnern sich vielleicht noch daran, dass es auch bei uns in einigen Regionen bis zum Ende des 20.Jhds den Brauch gab, Mütter nach der Geburt vor ihrem ersten Kirchgang “auszusegnen” - auch wenn das nie offizielle kirchliche Lehre war.

 

3. Darstellung des Herrn


Das ist der offizielle Name dieses Festes, der sich einem aber auch nur dann erschließt, wenn man die Hintergründe kennt.

Zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten erhob der Gott Israels Anspruch auf “jede männliche Erstgeburt bei Mensch und Vieh”, wie es im Gesetz des Mose heißt. Das bedeutet: Alle erstgeborenen Söhne gehören nicht ihren Eltern, sondern Gott und müssen ihm in einer Tempelzeremonie "dargestellt" und damit offiziell ausgelöst werden.

 

Auch hier merken wir: Jesus wurde nicht im luftleeren Raum geboren, sondern als konkreter Mensch, also in ein bestimmtes Volk hinein,  das jüdische nämlich, mit einer Geschichte, in einer bestimmten politischen Situation, mit gesellschaftlichen Regeln und Glaubenstraditionen. Auch daran erinnert uns dieses Fest.

 

Aber - und das ist vielleicht eine Pointe in dem Evangelium aus unserer ersten Lesung: Auch darum geht es eigentlich gar nicht. Sowohl das Reinigungsopfer der Mutter als auch die Darstellung des Kindes bieten hier nur den Rahmen, also den Grund, weswegen sich die Familie in den Tempel begibt, aber sie sind nicht das eigentliche Thema.

Was uns zum vierten Namen führt, der vor allem in der Ostkirche gebräuchlich ist:

 

4. Fest der Begegnung


Die Heilige Familie kommt also zum ersten Mal als Familie in den Tempel. Gott kommt in seinen Tempel. Und was passiert? Es ist nicht vermerkt, dass irgendeinem der Priester oder sonstigen Tempelbediensteten, die mit den Formalitäten beschäftigt sind, irgendetwas auffällt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt? Aber was wäre denn, wenn Jesus heute als Besucher zu uns in die Kirche käme, zu einer Sonntagsmesse, einem Gemeindefest oder auch zu einem Evensong - würden wir ihn erkennen? Und woran?

 

Was mich hoffnungsvoll stimmt, ist, dass er zumindest in unserer Geschichte sogar von zwei Menschen erkannt wird und es zu einer wirklichen Begegnung kommt.

 

Diese beiden Menschen waren vorbereitet. Sie hatten die Stärke und die Geduld, ein ganzes Leben lang darauf zu warten, dass ihre Hoffnung auf diese Begegnung erfüllt wird. Und sie waren jeden Tag bereit dafür - ohne genau zu wissen, wo und wie ihnen Gott begegnen würde. Und so können sie das große Glück, diese tiefe Sehnsucht endlich erfüllt zu sehen, auch richtig auskosten, wie wir es in Simeons Lobgesang hören, den wir gleich - wie in jedem Evensong - auch selbst singen werden, weil er fester Bestandteil des kirchlichen Abendgebetes geworden ist. Das Warten hat ein Ende - es ist genug! Mehr brauche ich nicht mehr! Was für eine Botschaft in einer Zeit, in der wir darauf gedrillt werden, immer mehr zu wollen, zu brauchen, haben zu müssen.

Und dieses tiefe Glück, dieser innere Friede, hat nichts mit "Friede-Freude-und-Eierkuchen" zu tun. Auch das sieht Simeon ganz klar, er spricht von einem "Zeichen, dem widersprochen wird" und einem Schwert, das die Seele durchdringt. Das Christentum ist eben nicht nur Weihnachten, sondern auch Karwoche. Und danach Ostern. Und dieses Fest verbindet das alles miteinander.

 

Wer sich auf Gott einlässt, hat es nicht unbedingt leicht. Er wird möglicherweise lange warten, quasi Bereitschaftsdienst leisten in einer Welt, die Gott so gut wie gar nicht wahrnimmt. Er wird Widerspruch aushalten müssen. Er wird nicht wegsehen, wenn irgendwo Schmerz ist. Aber er wird trotz allem das Heil erfahren. Er kann ins Dunkel gehen, weil er darauf vertrauen kann, dass in ihm das Licht Gottes scheint. Und wenn ich dieses Licht in mir gefunden habe, dann muss ich nicht mehr suchen, dann habe ich genug,  denn hier und jetzt bin ich Gott begegnet, habe ich das Heil gesehen.

 



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